Was können wir für WissenschaftlerInnen tun, die bei uns (BibliothekarInnen, InformationsspezialistInnen) Rat und Unterstützung für das Schreiben und Publizieren suchen?

Bis vor zwei Jahren hätte ich diese Frage für rein hypothetisch gehalten. Doch das hat sich seit dem Beginn einer systematischen, intensiven Kommunikation an der Universität Hannover zum digitalen Publizieren schrittweise grundlegend geändert, sehr zu meiner eigenen Überraschung.

Diese Kommunikation lief und läuft in Hannover bisher vor allem über einen Dienstleistungskatalog, Blogpostings, systematische Evaluation und darauf aufbauender Vorbereitung neuer Dienste, sowie insbesondere Workshop-Tage bzw. kompakte Inhouse-Schulungen an interessierten Instituten.

Das klingt nach einer Menge Aktivität, und doch haben wir (die MitarbeiterInnen im Projektbereich Digitales Publizieren an der Bibliothek, der TIB/UB Hannover) das Grundgefühl, dass es jetzt erst “richtig losgeht”. Die Teilnehmerzahlen der Workshops haben sich stabilisiert, die Anzahl individueller Beratungsfragen steigt. Wir stoßen bei der Kommunikation und Beratung auf Fragen wie die folgenden:

  • Oft werden Handwerkzeug und Konventionen des wissenschaftlichen Schreibens (vom Schreiben mit LaTeX bis zur Wahl eines geeigneten Journals) eher beiläufig und in kleinen Kreisen, z.B. im Rahmen der Betreuung von Doktoranden, Kolloquien etc. vermittelt. Wenn Bibliotheken in diesem Bereich aktiv werden, dann starten sie also nicht bei null, sondern können und sollten Know How und Engagement wissenschaftlicher Communites vor Ort aufgreifen, sichtbar machen und idealerweise sogar den transdisziplinären Austausch fördern. Wie gelingt das, wie binden wir WissenschaftlerInnen aktiv in das Kommunikations- und Beratungsgeschehen ein?
  • Welche Zielgruppen erreichen wir auf welchen Kanälen mit welchen Inhalten? — Aufgrund von Interviews mit Lead Usern an der Universität glauben wir z.B. erkannt zu haben, dass Publikationsstrategien am besten in einer individuellen Beratungssituation vermittelt werden, und AutorInnen es durchaus zu schätzen wissen, wenn BibliothekarInnen sie proaktiv z.B. vor problematischen Wissenschaftsverlagen warnen.
  • Wie muß eine Beratung gestaltet sein, die sowohl die Autonomie der AutorInnen beachtet und fördert, als auch zugleich parteiisch ist für die Offenheit des Forschungs- und Publikationsprozesses (Open Access, Open Data), vielleicht sogar für die Nutzung neuer Potentiale des Webs (Researcher Networks, Social Media etc.)?
  • Detailfragen des Curriculums der Workshopangebote (zum Beispiel warum es aus didaktischen Gründen richtig und wichtig ist zu erklären, wie man Zitationshäufigkeit und Impact Faktor „hacken“ kann) führen immer wieder auf die Frage der Entwicklungsperspektive unserer Angebote: Ist das Ziel erreicht wenn wir einen hoch personalisierten Beratungsdienst anbieten und virtuos alle Medienkanäle passend nutzen? Oder ist das Ziel eine Art „Center for Digital Scholarship“ unter aktiver Beteiligung von FachwissenschaftlerInnen, siehe oben, in dessen Lehrveranstaltungen Studierende Credit Points erwerben können?
  • Sind Rat und Unterstützung beim Publizieren (auch) eine Antwort auf die Fragen nach der Zukunft von Bibliothek und BibliothekarInnen? Orientiert sich die klassische wissenschaftliche Bibliothek noch zu sehr am bloßen Finden und der Rezeption von Literatur, um in der Online-Welt ihre Aufgabe angemessen neu zu definieren? — Und wenn das so ist: Wie gestalten wir den Übergang?

Über diese Fragen (und mehr) würde ich mich beim InfoCamp gern austauschen. Ich bin davon überzeugt, dass wir von einem Austausch unserer Erfahrungen und Ideen profitieren können — sicherlich auch über das InfoCamp hinaus.

2 Gedanken zu “Was können wir für WissenschaftlerInnen tun, die bei uns (BibliothekarInnen, InformationsspezialistInnen) Rat und Unterstützung für das Schreiben und Publizieren suchen?

  1. Wir sind nur eine ganz kleine Bibliothek im Aufbau. Früh merken wir, dass auch unsere recht neuen Wissenschaftler die gleichen eingefahrenen Wege suchen, irgendwo im Verlag zu publizieren, sich wundern dass sie ihr „eigenes Werk“ nicht in auf eigener Plattform einstellen dürfen und bei der Übernahme von Forschungsprojekten nicht daran denken eine Publikationsplattform der Hochschule insgesamt ins Auge zu fassen. Da hake ich ein, aber kann natürlich nicht sämtliche 4 Räder selber bauen…. sondern überlege eine Kooperation. Insofern interessantes Thema, freue mich wenn der Livestream hinterlegt wird! da ich auch online nicht dabei sein kann. Noch eine kritische Anmerkung: Bibliothekare schreiben selber aus verschiedenen Gründen arbeiten selbst nicht immer wissenschaftlich. Das bringt einen gewissen lack of experience mit sich. Findet eine Beratung durch „uns“ trotzdem Akzeptanz? Wo genau ist unsere Expertise??

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